Lernbüro OMAI 1.HAS

Das „Lernbüro OMAI“ ist eine Unterrichtsmethode in der Tradition der Freiarbeit. Es arbeitet in meinem Fall mit dem Buch „Office und Publishing“ von Kopeinigg et. al. Es ist schnell umsetzbar, führt zu sehr gelungenen Stunden und nachhaltigen Lernerfolgen. Das Lernbüro OMAI ermöglicht in traditionellem Fachunterricht Lernformen, die von fortschrittlichen Schulen bereits fächerübergreifend praktiziert werden.


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Individueller Lernplan

Der Jahreslehrstoff ist in zehn Module aufgeteilt, die am Jahresanfang zur Bearbeitung bereitgestellt werden. Jedes Modul bietet zwei verschiedene Schwierigkeitsstufen an: Grundkompetenz und erweiterte Kompetenz. Der Schüler/die Schülerin arbeitet die zehn Module in selbstgewählter Reihenfolge durch. In der Beherrschung von MS Word rate ich den SchülerInnen natürlich, das Modul „Geschäftsbrief (Der Brief)“ als letztes zu bearbeiten.

Das Erlernen des 10-Finger-Systems läuft selbstverständlich ganzjährig in zwei Stufen: Erlernen des Fingersatzes mit Online-Lektionen und dann regelmäßige 10-Minuten-Abschriften. Die beste Abschrift zählt zur Jahresnote.

Dieser Netzplan soll die Zuammenhänge der Module veranschaulichen:

Unterrichtsarbeit


Im Lernbüro OMAI besteht die Hauptarbeit des Lehrers in der Anteilnahme an der Lernanstrengung und in der Bewunderung der Lernerfolge. Wir beteiligen uns an der „Stimmung“, intervenieren nur begründet und sind prompt zur Stelle. Hilfe bieten wir gerne in der Methode aber nur verhalten im Inhalt an. Lieber verweisen wir auf NachbarIn, Buch und Google.

Die SchülerInnen arbeiten Modul für Modul – in selbstgewählter Reihenfolge – durch. Der neue Stoff wird im Buch erklärt und gleich geübt. Eine mündliche Modulprüfung beim Lehrer dient der Wiederholung und inneren Bestätigung. Alle Modulprüfungen können beliebig oft wiederholt werden. Es zählt nur, was gelernt wurde. Einzelne Themen lasse ich auch nachbringen. So sind SchülerIn und ich sicher, dass der Stoff auch beherrscht wird. Es zeigt sich, dass die SchülerInnen viel zufriedender sind, wenn sie wenig Stoff gut statt viel oberflächlich lernen. Dafür sind sie bereit mehr Selbstdisziplin zu zeigen.

Letztere brauchen Sie, um das Tastschreiben fundiert zu erlernen. Mit einem Web-basierten Training und viel Zuspruch gelingt auch ein zugegebener Maßen mühevolles Umlernen.

Der Unterricht wird durch Impulsvorträge angereichert, die den Stoff in einen größeren Zusammenhang setzen: Historische Entwicklung, gesellschaftliche Auswirkung oder theoretische Fundierung.

Die im Lehrplan vorgeschriebenen Schularbeiten haben jeweils zwei Module zum Stoff. Sie können – wie die Modulprüfungen – nur positiv zur Note zählen. „Nicht genügend“ und „Genügend“ bleiben folgenlos. Ich kündige die Schularbeiten samt Stoff zu Semesterbeginn an, damit die SchülerInnen ihren Lernplan dahin ausrichten können. Da man mit einer 3, 2 oder 1  schöne Punkte für die Note sammeln kann, sind viele bereit diese zwei Module vor der Schularbeit gut durchzuarbeiten. Andere, die gerne ihren eigenen Weg gehen wollen, werden nicht gestört. Rechtliche Anmerkung zur LBVO: Eine Benotung ist vom Lehrer zu geben, wenn genügend Leistungsfeststellungen vorhanden sind. Das Fehlen einer Schularbeit ist alleine kein Grund dem Schüler die Leistungsbeurteilung zu verweigern. Beweist ein Schüler durch Modulprüfungen sein Können des Stoffes kann eine Note fundiert gegeben werden.

Didaktik

Es ist sehr verlockend für LehrerInnen, sich mit Erklärungen und Handlungsanleitungen zwischen die SchülerInnen und den Stoff zu stellen. Doch es zeigt sich, dass Intelligenz und Neugier ausreichend vorhanden sind, um auch komplexere Materien zu durchdringen. Die Lernpfade in den Modulen bieten die notwendige Struktur, ohne die sich die SchülerInnen schnell verloren fühlen. Die Vorträge geben dem Stoff die ihm zustehende Bedeutung in der Welt.

„Erkläre es mir und ich werde es vergessen. Zeige es mir und ich werde mich erinnern. Lass es mich selber tun und ich werde es verstehen.“
sagte einst Konfuzius.

„Der beste Führer ist der, dessen Existenz gar nicht bemerkt wird, der zweitbeste der, welcher geehrt und gepriesen wird, der nächstbeste der, den man fürchtet und der schlechteste der, den man hasst. Wenn die Arbeit des besten Führers getan ist, sagen die Leute: »Das haben wir selbst getan«.“ ist im Tao te king zu lesen.

Müssen wir dann überhaupt noch den Stoff selber beherrschen? Unbedingt! Hie und da die eigenen Expertise zu präsentieren wirkt anspornend. Die Dosis macht’s 😉

Vorteile in der Handelsschule

Die SchülerInnen der ersten Klassen sind besonders heterogen in ihrer persönlichen Entwicklung und Leistungsfähigkeit. Die Module bieten viel Selbstbestimmung für die schon geistig erwachsenen, wie auch genügend Struktur für die noch kindlichen SchülerInnen. Für eine positive Note müssen nur acht der zehn Module durchgearbeitet werden. Das sorgt für Zufriedenheit und die nötige Tiefe in den gewählten Stoffgebieten. Leistungsfähigere finden genügend Stoff, um eine bessere Note zu erwerben. Natürlich können sie auch den KollegInnen ihre Hilfe anbieten.

Es zeigt sich in der Praxis, dass die freie Wahl der Modulreihenfolge viel Zufriedenheit und Toleranz schafft. Manche lernen zu zweit, andere arbeiten an mehreren Modulen parallel. Die einen sind gleich eifrig an der Tastatur, die anderen können sich erst im Dezember zu ernsthaften Schritten überwinden. Besonders motivierend stellte sich eine Vorschau auf die Semesternote heraus: Anfang November schätzte jede/r Schüler/in, wieviele Module und daher welche Note sie/er schaffen könnte. Auch hier gibt es das ganze Spektrum von Gleichgültigkeit bis Ehrgeiz – insgesamt aber wesentlich weniger Minimalisten als im angeleiteten Unterricht.

Toleranz untereinander entsteht durch eine „empathische Individualisierung“ – es fühlt sich einfach gut an neben anderen konzentriert zu arbeiten. Stören stört wirklich. Das ist für viele eine neue Erfahrung nach jahrelang eingeübter freudiger Reaktion auf die Störungen anderer. Daher muss die Lehrperson dem Lernwilligen unter die Arme greifen, wenn er einen geschwätzigen Kollegen zurückzuweisen will.

Apropos Abwechslung: Im Lernbüro muss die Lehrperson dafür sorgen. Mit den Impulsvorträgen, selbstverständlich auch Gruppengesprächen zu bewegenden Themen und immer wieder sportlichen Sequenzen wie zB die Übungen von Vital4Brain.

Unterlagen

Liebe Fachkollegin, lieber Fachkollege, in diesem ZIP-Archiv findest du meine zehn Module und die Beurteilungskriterien für die 1. Klasse Handelsschule. Passe sie einfach deinen Lerngruppen und Schwerpunkten an!

Hinweise zum Thema Lernbüro

Das „Lernbüro OMAI“ erscheint gegenüber den existierenden Lernbüros an diversen Schulen sehr eng gefasst. Dort können sich die SchülerInnen zwischen Modulen unterschiedlicher Fächer entscheiden. Hier ein kurzer Artikel und hier eine grafisch aufbereitete Darstellung.

In der Handelsschule bietet sich die Vereinigung mit BWUB/BWUE/BWUF an. Die HAK/HAK Ybbs verwirklicht Ähnliches mit ihrem „Cool“en Tag. Die HAK/HAS Neunkirchen führt schon ab der 1. Klasse „Lernfirmen„, in denen selbstgesteuert gelernt und geübt wird. Solange an deiner Schule der klassische Fachunterricht besteht, bietet das „Lernbüro OMAI“ schon heute den Unterricht von morgen 🙂

Viel Erfolg! Ich freue mich über deine Meinung.