Lernbüro in der Cloud

Vor zwei Jahren startete die Umsetzung der Methode „Lernbüro in nur einem Fach“ in einer ersten Klasse Handelsschule. Nun unterrichte ich alle Handelsschul- und Handelsakademieklassen erfolgreich auf diese Weise. Das gelang auch durch zwei Innovationen, die ich hier vorstellen möchte.

Individualisierung des Lernpfades

Vor zwei Jahren, als ich mit dem „Lernbüro OMAI“ startete, konnten sich die Schüler*innen jeweils zwischen einem Grundkompetenz- und einem Erweiterungskompetenz-Modul entscheiden. Das fiel ihnen nicht leicht, wussten sie doch nicht, was in dem jeweiligen Modul auf sie zukommen würde. Daher besteht nun, in der hier präsentierten Version, jedes Modul aus Grundaufgaben und Zusatzaufgaben. Die Erledigung der Grundaufgaben entspricht einer genügenden Leistung. So stehen die Schüler*innen immer wieder vor einer überschaubaren Entscheidung, ob sie die folgende Zusatzaufgabe in Angriff nehmen oder erstmal sein lassen wollen. Sehr gerne werden zuerst alle Grundaufgaben und danach die „verlockendsten“ Zusatzaufgaben gemacht.

Die Abbildung rechts zeigt, wie sich zwischen den Grundaufgaben (G) mit Punkten bewertete Zusatzaufgaben anbieten. Das können erweiternde und vernetzende Übungen sein, aber auch eigenständiger Stoff, dessen Kenntnis keine Voraussetzung für spätere Kapitel darstellt. Hier finden Sie nun die Module für die 1. Klasse Handelsschule als PDF passend zum Schulbuch „Office und Publishing 1 HAS“ Westermann Verlag. Hier lesen Sie mehr über die Qualität der Unterrichtsarbeit im Lernbüro OMAI

Ab in die Cloud

In Laptopklassen erhalten die Schüler*innen alle Angaben im OneNote-Kursnotizbuch in ihrer Office-365-Umgebung (siehe Abbildung rechts). Die Angabeseite wird zuerst im Angabebereich des Kursnotizbuches erstellt und mit den Angabedateien bestückt. Danach kann sie an alle Kursteilnehmer*innen verteilt werden. Nun hat jede*r ein eigenes Arbeitsprotokoll für das Modul. Darin ist das Datum der Bearbeitung einzutragen und sind die Lösungsdateien hochzuladen. Endlich Schluss mit dem Dateienwirrwarr im Ordnerdschungel 😉

Eine Umsetzung in Google-Classroom ist ebenso möglich wie in Moodle und anderen Lernplattformen. Die Wahl fiel auf Microsofts Office-365-Umgebung, weil das User- und Rechtemanagement wirklich einfach ist. 🙂

Papierloses Lernen? Kritisch muss angemerkt werden, dass die Methode Lernbüro auch in der papierenen Variante nur ein Dutzend A4-Seiten pro Schüler*in benötigt. Papiersparender wäre der Ersatz des Lehrbuches durch ein E-Book, was lediglich technisch funktioniert (E-Book oder Scans). Für eine lernwirksame Umsetzung benötigten die Schüler*innen einen zweiten Monitor, um Buch und Arbeitsdatei zugleich sehen zu können. Der Vorteil des Cloud-Lernbüros liegt daher zu großem Teilen in der Datensicherheit und der praktisch übenden Aneignung der Cloud als Arbeitswerkzeug.

Das Kursnotizbuch bietet darüber hinaus auch einen Abschnitt, in dem alle zugleich arbeiten können. Hier können Abgaben zu einem Thema gebündelt werden, um voneinander zu lernen. Das Beispiel rechts zeigt eine Sammlung von Sways, die die SchülerInnen zum Thema Signaturstärken erstellt haben. Rechts oben wird mit einem Screenshot beschrieben, wie der Link zum eigenen Sway erstellt wird, der dann auf der Seite eingefügt werden soll. Sobald man mit dem Mauszeiger auf ein Sway fährt, kann man es mit der Wheel steuern und das Werk der Kollegin/des Kollegen bestaunen.

 

Der Himmel ist Flow

Eine unangenehme Seite an individualisiertem Unterricht ist die Verstärkung von Kompetenzunterschieden. Dabei wünscht man sich doch homogene Lerngruppen!? Wie ist das im Lernbüro OMAI?

Es bilden sich meist Zweier- oder Dreiergruppen, die einander anspornen und helfen. Die Lernstarken werden nicht zurückgehalten und die Lernschwachen nicht überfordert. Und alle sehen, wie sich die anderen dem Lernen widmen. Damit steht nicht mehr die Durchschnittsleistung sondern die Durchschnittshingebung im Zentrum. Und wenn das gelingt, nennen wir es „Flow“ – ein Gefühl tiefer Zufriedenheit.

Ohne Frage spielt in der Klasse die Lehrperson eine bedeutende Rolle für die Ermöglichung flowiger Phasen. Ihre Regietätigkeit gelingt besser, wenn sie vorbildlich anführt: In voller Ko-Präsenz immer einen Schritt hingegebener als die anderen, immer einen Schritt freudiger und faszinierter – gleichzeitig klarer in der Zurückweisung von störenden Widrigkeiten. Jedoch schlussendlich immer mit der humorigen Einsicht: Auch im „es läuft schief“, steckt ein: „Es läuft!“ 😉

In diesem Sinne freue ich mich auf die nächsten guten Stunden mit Flow.